Am Samstag findet in Lindenberg der erste CSD im Westallgäu statt. Wir als Bündnis Solidarisches Allgäu rufen alle Menschen dazu auf, daran teilzunehmen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Denn der Kampf für die Befreiung queerer Menschen ist kein Partikularinteresse. Er ist Teil des Kampfes um eine solidarische und demokratische Gesellschaft.
Der Christopher Street Day erinnert an die Aufstände von Stonewall 1969. Damals wehrten sich queere Menschen gegen staatliche Repression, Polizeigewalt und eine gesellschaftliche Ordnung, die bestimmte Lebensweisen kriminalisierte und unsichtbar machte. Diese Geschichte zeigt: Fortschritt war nie ein Geschenk. Rechte wurden durch Protest, Organisierung und gesellschaftlichen Druck erkämpft.
Auch heute sind die Ursachen von Queerfeindlichkeit nicht nur individuelle Vorurteile. Sie sind Ausdruck gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse, die Menschen danach bewerten, ob sie in bestehende Normen passen. Wer von der Vorstellung einer einzigen „richtigen“ Familie, einer starren Geschlechterordnung oder traditionellen Rollenbildern abweicht, wird von teilen unserer Gesellschaft bis heute ausgegrenzt oder angegriffen. Deshalb ist queere Befreiung immer auch eine Auseinandersetzung mit Macht, Autorität und gesellschaftlichen Ungleichheiten.
Dass rechte Kräfte heute gezielt gegen queere Menschen mobilisieren, ist kein Zufall. Angriffe auf die Rechte von LGBTQIA+ Menschen sind Teil einer autoritären Politik, die gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen und Solidarität zerstören will. Wer Minderheiten angreift, greift die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft an.
Deshalb ist der CSD weit mehr als eine Demonstration für Akzeptanz. Er ist ein sichtbarer Ausdruck des Anspruchs auf gleiche Freiheit, gleiche Würde und gleiche Teilhabe für alle Menschen. Er macht deutlich, dass Emanzipation nicht dort endet, wo die eigene Betroffenheit aufhört. Eine solidarische Gesellschaft entsteht nur, wenn Menschen füreinander eintreten, unabhängig davon, ob sie selbst von Diskriminierung betroffen sind.
Gerade im ländlichen Raum ist diese Sichtbarkeit von besonderer Bedeutung. Der erste CSD im Westallgäu zeigt: Queeres Leben gehört selbstverständlich auch hierher. Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern Ausdruck einer freien Gesellschaft.
Deshalb rufen wir dazu auf, am Samstag gemeinsam auf die Straße zu gehen. Nicht nur aus Solidarität mit queeren Menschen, sondern weil der Einsatz gegen Ausgrenzung und autoritäre Entwicklungen eine Aufgabe von uns allen ist. Eine gerechte Gesellschaft wird nicht durch Anpassung erreicht, sondern durch gemeinsame Organisierung, gegenseitige Unterstützung und den entschlossenen Einsatz für gleiche Rechte.
Wann? Samstag 25.07. ab 14 Uhr Wo? am Stadtpark Lindenberg
