Backgroound Image

Zusammen gegen AfD und Rechtsruck – Nachbericht zur Demo am 15.02. in Lindenberg

Am 15. Februar haben wir in Lindenberg im Allgäu erlebt, was möglich ist, wenn Haltung praktisch wird. Über 4.000 Menschen stellten sich dem Auftritt von Björn Höcke entgegen, einem der zentralen Ideologen des autoritären, völkischen Projekts der Alternative für Deutschland. Wir hatten mit vielen gerechnet. Dass es am Ende mehrere tausend wurden, hat selbst uns sprachlos gemacht.

Höcke ist kein „Ausreißer“, kein rhetorischer Extremfall, sondern der ideologische Kern dessen, was die AfD und deren Kreisverband Westallgäu Lindau ist: eine Partei, die den autoritären Umbau der Gesellschaft vorantreibt, den Nationalstaat ethnisch aufladen will und konsequent auf die Schwächsten tritt. Faschismus fällt nicht vom Himmel, er wächst aus Krisen, aus sozialer Vereinzelung, aus nationalistischer Mobilisierung und aus dem autoritären Bedürfnis nach Ordnung in einer kapitalistischen Gesellschaft, die ihre Versprechen nicht mehr einlöst.

Unser Protest richtete sich deshalb nicht nur gegen die Person Höcke, sondern gegen Geschichtsrevisionismus, gegen die Relativierung des Nationalsozialismus, gegen die beschworene „Volksgemeinschaft“, die immer auf Ausschluss, Gewalt und Unterdrückung basiert. Wer von „Remigration“ spricht, meint Deportation. Wer von „Identität“ redet, meint Blut und Boden.

Dass Höcke in Lindenberg auftreten konnte, lag nicht am politischen Willen der Lindenberg*innen. Die Stadt hatte im Vorfeld versucht, den Auftritt zu verhindern, leider ohne Erfolg. Politisch jedoch ist etwas anderes passiert: Tausende Menschen haben sich hinter die Resolution für Demokratie und Toleranz gestellt, die Lindenberg beschlossen hat, und ihr eine reale Bedeutung gegeben. Sie haben gezeigt, dass diese Resolution für die Bevölkerung ein Anspruch an die Wirklichkeit ist.

Genau hier beginnt auch unsere Kritik am Landratsamt und Bürgermeister:
Formale Neutralität ist kein Wert an sich. Sie mag juristisch geboten erscheinen, politisch reicht sie nicht aus. Wer sich zu Demokratie und Toleranz bekennt, kann antifaschistischen Protest nicht als bloß eine von zwei gleichwertigen Seiten behandeln. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Angriff auf Menschen, auf Rechte, auf ein solidarisches Zusammenleben.
Im Vorfeld und im Verlauf der Demonstration wurde deutlich, wie sehr versucht wurde, Protest zu verwalten, zu begrenzen und räumlich einzuhegen. Flächen wurden unverhältnismäßig verteilt, transparente Absprachen nicht eingehalten, direkte Konfrontationssituationen zugelassen, obwohl sie zuvor ausgeschlossen worden waren. Für mehrere tausend Menschen musste eine logistisch problematische Lösung gefunden werden, während eine kleine rechte Kundgebung zentrale Flächen belegte. Hinzu kamen unnötige Engstellen, blockierte Kundgebungsflächen und präventive Maßnahmen wie das Fotografieren von Teilnehmenden durch die Polizei ohne erkennbare Gefahrenlage – Maßnahmen, die einschüchtern und die Versammlungsfreiheit faktisch untergraben.

Gerade im ländlichen Raum erleben wir immer wieder, dass antifaschistisches Engagement nicht als demokratische Selbstverständlichkeit behandelt wird, sondern als Störfaktor. Dass Auflagen enger, Räume kleiner, Möglichkeiten begrenzter werden.

Dass diese Demonstration trotzdem kraftvoll, sicher und solidarisch stattfinden konnte, war kein Zufall. Lindenberg ist nicht für 4.000 Demonstrierende ausgelegt. Die Innenstadt ist eng, der Platz begrenzt. Dass alles funktioniert hat, war das Ergebnis intensiver Vorbereitung, eines großen Teams im Hintergrund, vieler Ordnerinnen, Technik, Awareness-Strukturen – und vor allem eurer aktiven Solidarität. Vielen Dank an alle, die zum Erfolg dieser Kundgebung beigetragen haben!

Der Protest war eine kollektive Antwort auf die Frage, wofür diese Stadt und dieses Westallgäu stehen wollen. Und er war auch ein Signal an die Parteien mit Blick auf kommende kommunale Entscheidungen: Viele Menschen hier wollen eine solidarische Politik. Eine Politik, die niemanden zurücklässt. Eine Politik, die Vielfalt nicht relativiert, sondern schützt.

Es war kalt. Und trotzdem seid ihr geblieben. Ihr habt ausgeharrt, diskutiert, getanzt, Präsenz gezeigt. Ihr habt gezeigt, dass Antifaschismus und Solidarität hier gelebt werden.

Der 15.02. war wichtig. Aber er war nur ein Moment. Antifaschismus ist kein Event, sondern Praxis. Der Kampf gegen Höcke und die AfD ist untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen Ausbeutung, Patriarchat und Nationalismus. Wer den Faschismus verhindern will, muss die Verhältnisse angreifen, die ihn hervorbringen. Einmal im Monat findet das Offene Antifaschistische treffen Westallgäu statt. Komm vorbei und engagiere dich! Um den Treffpunk zu erfahren schreibe eine kurze Nachricht auf Insta an @oatwestallgäu oder per Mail an oat.westallgaeu@proton.me.

Lindenberg, das war groß! Bleibt aktiv, bleibt solidarisch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert